Gera

Damit Keime erst gar nicht in den OP-Saal gelangen

In den letzten Jahren gehen immer wieder Meldungen von Keimen in Krankenhäusern durch die Presse. Erst vor kurzem wurde wieder ein Krankenhaus von einem Hygieneskandal erschüttert, bei dem unter anderem nicht steriles Operationsbesteck für die Verbreitung der Keime verantworlich war. Die SRH Dienstleistungen GmbH betreibt seit 2006 eine Zentrale Sterilgut-Versorgungsabteilung (ZSVA), in der Operationsbesteck für den Wiedergebrauch aufbereitet wird. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, über die wir uns mit Kerstin Lang, Leiterin der ZSVA, unterhalten.

 Was genau ist die Aufgabe einer Zentralen Sterilgut-Versorgungsabteilung (ZSVA)?

Kerstin Lang: Die ZSVA bereitet sämtliche Medizinprodukte auf, die operativ am Patienten angewendet werden. Sprich: Alle Instrumente, mit denen der Patient in Berührung kommt, werden in speziellen Anlagen gereinigt, desinfiziert und sterilisiert. Dieser Vorgang dauert rund vier Stunden.

Die Zentral-Sterilisationen von Krankenhäusern sind im Moment bundesweit in die Diskussion geraten. Haben Sie sich mit diesem wichtigen Thema in letzer Zeit auseinandergesetzt?

Kerstin Lang: Selbstverständlich wird ein solcher Vorfall im Team besprochen. Das ist ganz wichtig, damit jedem Einzelnen im Team immer wieder vor Augen geführt wird, wie verantwortungsvoll unsere Aufgabe ist und was es bedeutet, wenn wir unaufmerksam sind. Alle Mitarbeiter/innen wurden von mir nochmals geschult und diese Schulung wurde auch dokumentiert.

Was macht die SRH Dienstleistungen GmbH in ihrer ZSVA besser? Warum sind bei uns diese Probleme noch nicht aufgetreten und werden hoffentlich nie auftreten?

Kerstin Lang: Warum unsere ZSVA besser ist? Dafür gibt es viele Gründe. Ein ganz wichtiger Grund ist, dass wir uns streng an die Hygiene-Vorschriften und Gesetze halten. Ein Beispiel: Sollte jemand von uns erwarten, dass Einmalbesteck aufbereitet wird, dann lehnen wir dies kategorisch ab, da dies nicht erlaubt ist. Das sind Situationen, in denen müssen wir uns zum Wohle des Patienten und des Krankenhauses durchsetzen.

Unsere gesamte Arbeit basiert auf einem strengen Qualitätsmanagement-System mit genauen Verfahrensanweisungen. Dazu gehört, dass wir lückenlos unsere Arbeit dokumentieren, um jeden Schritt genau zurückverfolgen zu können. Jeden Monat erhalten wir ein Fehlerprotokoll, das ausgewertet und besprochen wird. Damit erreichen wir, dass wir nicht reibungslos funktionierende Prozesse so umstellen können, dass sie künftig fehlerlos ablaufen.

Weitere Punkte sind die kontinuierlich stattfindenden Schulungen für alle Mitarbeiter/innen, die Überwachung und Wartung der Maschinen - ich glaube, wir arbeiten vorbildlich.  

Ab und zu ist Ihre Meinung auch als Expertin in anderen Zentral-Sterilisationen gefragt. Auf was achten Sie ganz besonders bei der Begehung einer solchen Zentral-Sterilisation?

Kerstin Lang: Ich achte zuerst einmal auf die räumliche Trennung der Arbeitsbereiche, dann kontrolliere ich, ob Verfahrensanweisungen und ein Hygieneplan vorliegen. Existiert ein QM-Handbuch, ist die ZSVA zertifiziert? Tragen die Mitarbeiter/innen Schutzkleidung, wie oft werden sie geschult? Dann sehe ich mir die Maschinen und deren Wartung an und lasse mir zeigen, wie die sogenannten Mic-Instrumente, die eine besondere Aufbereitung benötigen, aufbereitet werden, da es hierfür gesonderte Vorschriften gibt.

Wie wird man Leiterin einer Zentral-Sterilisation? Welche Ausbildungen haben Sie und Ihre Mitarbeiterinnen?

Kerstin Lang: Um in einer Zentralsterilisation zu arbeiten, muss man "Technischer Sterilisations-Assistent" sein und den ersten Fachkundelehrgang absolviert haben. Die Schichtleitung muss den zweiten Fachkundelehrgang und die Leitung einer Sterilisation auch den dritten Lehrgang absolviert haben.

Zusätzlich zu der Ausbildung ist eine lange Praxiserfahrung hilfreich und insbesondere natürlich die ständige Weiterbildung und die Zusammenarbeit mit Kunden. Ich persönlich stehe auch immer in Kontakt mit anderen Zentral-Sterilisationen und tausche mich aus.

Sie tragen eine hohe Verantwortung. Wie gehen Sie damit um? Haben Sie einen abschließenden Tipp für andere Berufskollegen?

Kerstin Lang: Meine Tipps für Berufskollegen sind:

  1. Haben Sie keine Scheu vor neuen Aufgaben.
  2. Verheimlichen Sie keine Fehler. Stehen Sie zu Fehlern und versuchen Sie diese abzustellen. Reden Sie mit Mitarbeitern und Kunden offen darüber und finden Sie gemeinsam eine Lösung.
  3. Weichen Sie nicht von Ihren Vorschriften ab, auch wenn ein höher gestellter Mitarbeiter, wie beispielsweise ein Chefarzt, eine andere Meinung vertritt.
  4. Gehen Sie jeden Tag mit Freude und Schaffenskraft an die Arbeit.
  5. Der Maßstab unserer Arbeit ist die Zufriedenheit und das Vertrauen, das unsere Kunden in uns setzen. Und unsere Kunden möchten wir nicht enttäuschen.

Frau Lang, vielen herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Susanne Ziegelmayer (Marketing, SRH Dienstleistungen GmbH)